Der ungewöhnliche Einstieg

… oder sage ich besser Ausstieg?

Ich erinnere mich gerade daran, dass das erste alternative Betriebssystem auf meinem Rechner bzw. damals noch auf dem gemeinsamen Familienrechner gar nicht das heute von mir so hochgeschätzte Linux war, sondern QNX Neutrino RTOS (oft auch als Kjunix ausgesprochen). Ein richtiges Echtzeitbetriebssystem. Es kam damals als CD-Beilage zum PC Magazin, welches ich hin und wieder am Kiosk kaufte (die c’t entdeckte ich erst später). Das war so um das Jahr 2000 herum, ganz genau weiß ich es leider nicht mehr.

Im zarten Alter von 16 Jahren hatte ich schon die ersten Programmierversuche mit C++ unter Windows hinter mir und war neugierig auf andere Systeme. Von Linux hatte ich bis dahin auch schon gehört aber noch keine Gelegenheit bekommen es auszuprobieren. Da kam mir dieses Angebot wie gerufen, denn es war zumindest schon mal ein UNIX-System. Man konnte es in eine Art virtuelle Festplatte unter Windows 98/ME installieren und musste nicht einmal die Festplatte dafür partitionieren. Dann konnte man es beim Boot auswählen und es lief als alleiniges System. Zumindest wirkte es für mich so, denn was dort technisch passierte weiß ich heute nicht mehr.

Tatsächlich fühlte sich das System auch so ähnlich an, wie ich es heute von den vielen Linux-Distributionen, die ich ausprobiert habe gewohnt bin. Es startete direkt die grafische Oberfläche (Photon GUI, hier gibt es ein paar Impressionen), wo dann auch die üblichen Tools zur Verfügung standen. Datei-Manager, Terminal, Browser, Softwareverwaltung usw. Selbst eine Entwicklungsumgebung war vorinstalliert.

Auf der CD befanden sich auch ein paar der unter Linux bekannten Programme speziell für QNX kompiliert. Unter anderem auch GIMP. Ich glaube, dass ich es damals jedoch nicht zum Laufen bekam. So war denn auch das ganze System eher nutzlos und ich verlor ziemlich schnell das Interesse. Außerdem war meinen Familienmitgliedern auch ein Dorn im Auge, dass auf einmal ein Bootmenü erschien und den Start von Windows verzögerte. Ich weiß, Ihr musstet oft unter meinen Spielereien leiden. Sorry!

Jedenfalls war mein Interesse an alternativen Betriebssystemen dadurch nur noch stärker geworden. Eigentlich hätte ich damals gerne noch BeOS ausprobiert, welches aber auch schon in den letzten Zügen lag. Und ich kam mit meinen begrenzten Möglichkeiten nicht dran. Dann bekam ich zu Weihnachten 2000 das so ersehnte SuSE Linux 7.0 Professional. Damals noch in einer Box mit ein paar CDs und zwei dicken Handbüchern. Die Dokumentation von SuSE galt damals als das Maß der Dinge und trug auch entscheidend dazu bei, dass ich die Philosophie und Funktionsweise von Linux und Unix im allgemeinen verstand. Ich kam damals zu der Überzeugung, dass UNIX/Linux dem allgegenwärtigen Windows schon vom Design her überlegen ist. Und diese Überzeugung hat sich bis heute nicht geändert. Aber leider ist das Gute ja oft der Feind des Besseren.

Meine produktiven Arbeiten habe ich allerdings bis auf weiteres unter Windows erledigt. Insbesondere Grafikdesign und Bildbearbeitung (mit der CorelDraw Graphics Suite) und Notensatz (mit Capella 2000). Denn einen Internetzugang hatte ich erst, als ich im Jahr 2002 meine Ausbildung zum Fachinformatiker Anwendungsentwicklung anfing. Und dann eben auch nur auf der Arbeit. Bis ich dann 2006(!) mit dem eigenen Internetzugang fast komplett auf Linux umgestiegen bin und Windows nur noch für Software benutzt habe, für die es damals noch keine ernstzunehmende Alternative gab.

Habt Ihr schon mal ein alternatives Betriebssystem auf eurem PC installiert oder vielleicht mal eines als Live-System von CD/DVD oder USB-Stick ausprobiert? Was hat euch dazu bewogen oder davon abgehalten. Ich höre!

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4 Gedanken zu “Der ungewöhnliche Einstieg

  1. Ich glaube mein erstes Linux war Ubuntu 09.04. Damals noch in einem schönen Braunton mit Taskbar oben und unten. Gnome 2 in der Blüte seines Lebens?

    Mein Grund für Linux war weniger die Philosophie und mehr die Tatsache dass ich dann nur einmal um die Erlaubnis betteln durfte etwas auf dem Familienrechner zu installieren (wie wir wissen wurde Windows XP mit jedem Programm langsamer, Papa wusste das auch).

    Sobald Linux aber drauf war, konnte ich dort tun und lassen was ich wollte, ohne den Papa zu fragen ob ich nun das installieren oder jenes ausprobieren konnte! Ich glaube ich habe mehrere Monate nur Ubuntu benutzt und hatte Spaß wie noch nie.

    Seit Windows 8 hingegen nutze ich Linux nur noch auf dem Raspberry Pi für node.js und Webserver.

  2. Ja, das war wohl tatsächlich die beste Zeit für GNOME 2. Und es hat dich nicht gereizt, zu sehen ob die guten Erfahrungen von damals mittlerweile nicht noch viel besser sind? 😉

    Vielleicht ist Linux auf dem Desktop auch eher für die, die das Betriebssystem nicht nur als Mittel zum Zweck sehen, sondern auch verstehen möchten, warum es was wie tut. Mal abgesehen von Onkel Herbert und Tante Luise, denen der übereifrige Enkel ein Ubuntu installiert hat, mit dem sie surfen und E-Mails lesen aber sonst nichts kaputt machen können. So ganz egoistisch um den Weihnachtsfeiertagen weniger Support leisten zu müssen 🙂

  3. Damals, als ich noch JPEG nutzte, habe ich mir Ubuntu installiert und für einige Monate ausschließlich verwendet… das war Anfang 2007.

    Als ich auf Rohdaten umstieg war Rawtherapee der einzige brauchbare „Entwickler“ der auch auf Gnome lief (KDE fand ich ätzend, und mit den zusätzlichen Komponenten wollte ich das System nicht überladen).

    Wenn es damals schon Darktable gegeben hätte wäre ich vielleicht nicht zurück zu Windows (und Rawshooter und dann Lightroom) gewechselt.

    Erinnerungswürdiger Moment nach der Installation: „WTF warum kann das Ding keine MP3s abspielen?!“ 🙂

  4. Das waren noch Zeiten. Tatsächlich ist KDE Plasma 5 heute nicht schwergewichtiger als GNOME. Und es ist für einen Windows-Umsteiger sehr viel einfacher sich wiederzufinden weil der Ansatz eher Windows ähnelt (Microsoft hat im Laufe der Zeit auch einiges Gutes in Windows übernommen), während GNOME Anleihen beim Mac OS nimmt.

    Aber 2007… (!) Da konnte ich noch nicht an „ausschließlich“ denken, auch wenn ich es mir sehr gewünscht habe. Mittlerweile geht das ganz gut, obwohl ich schon aus Interesse an Betriebssystemen ein Windows 10 auf der Platte habe.

    Rawshooter kenne ich sogar auch noch. Habe damals ganz euphorisch die kostenlose Essential-Variante genutzt. Tja und dann erst RawTherapee, welches dann aber auch darktable gewichen ist. Die Software ist wirklich spitze, obwohl sich Lightroom doch ein wenig eingängiger bedienen lässt. Zumindest in meinen kurzen Tests. Mittlerweile gibt es sogar einen inoffiziellen Build von darktable für Windows. Ob der funktioniert, weiß ich aber auch nicht 🙂 Oder hast du darktable schon mal ausprobiert?

    Nicht unwichtig ist ja auch die Farb-Kalibrierung der Hardware, insbesondere Monitor. Da sah es vor einiger Zeit auch noch ganz düster aus. Das hat sich glücklicherweise auch geändert.

    Und ja, für patentbehaftete Dinge wie mp3 muss man fast bei jeder Distribution noch nacharbeiten. Ist leider wahr, wenngleich mit wenigen Klicks erledigt. Unsereiner merkt das gar nicht mehr, weil es Routinehandlungen sind 🙂

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