Linux auf dem Desktop. Warum eigentlich nicht?

Desktop
Screenshot meines Desktops unter Fedora, meinem absoluten Favoriten.

Warum eigentlich nicht? Und genau um dieses „nicht“ geht es in diesem Beitrag. Vor kurzem habe ich mal bei drei meiner Verwandten – alles gestandene Windows-Nutzer – gefragt, was ihrer Meinung nach so die gängigen Gründe gegen Linux auf dem Desktop sind. Ein paar habe ich zusammenbekommen. Hier sind sie:

  • Das System funktioniert völlig anders und sieht anders aus.
    Das ist natürlich Fakt und gerade ein Grund, warum manche eben auf Linux setzen. Aber „anders“ bedeutet ja erst einmal weder besser, noch schlechter. Der gesamte Aufbau unter der Haube basiert auf anderen Konzepten aber damit kommt ein Desktop-Nutzer gar nicht so oft in Berührung. Desktops wie GNOME oder KDE versuchen den Unterbau so gut es geht zu verbergen. Während unter Windows im Normalfall eine Software über eine setup.exe direkt aus dem Web oder von CD/DVD installiert wird, nutzt man unter Linux den Paketmanager oder in jüngster Zeit vielleicht eher ein distributionsspezifisches Software Center, wo man einen Screenshot der App und manchmal sogar Nutzerbewertungen vorfindet.
  • Treiber für Komponenten und Peripherie sind z. T. nicht vorhanden oder funktionieren schlecht.
    Bei den PC-internen Komponenten sieht es mittlerweile sehr gut aus, was die Unterstützung angeht. Selbst Manche Netzwerk/WLAN-Chips, die früher zickten, laufen meist auf Anhieb. Bei den Grafiktreiber wird es wiederum komplizierter, wenn man nicht gerade auf die integrierte Intel-Grafik setzt. Da hat man dann die Wahl zwischen einem Open-Source-Treiber, der möglicherweise nicht alle Feature des Grafikchips nutzt oder dem vom Hersteller angebotenen proprietären Treiber. Bei deren Einsatz können sich im Zusammenspiel mit dem Kernel manchmal Schwierigkeiten ergeben, im Allgemeinen funktionieren sie jedoch recht gut.
    Anders kann es wiederum bei der Peripherie aussehen. Der Photodrucker wird je nach Modell möglicherweise nicht so gut unter Linux funktionieren, die günstige China-Webcam vielleicht auch nicht. Weitere Hardware, die auf eine Spezialsoftware angewiesen ist, die nur für Windows bereitgestellt wird, etwas Navis, Camcorder, Scanner und einiges mehr. Wenn man diese Komponenten bereits besitzt, schaut man in die Röhre, will man sich jedoch etwas anschaffen, hilft ein Blick in diverse Hardwaredatenbanken oder eine einfache Websuche.
  • Die liebgewonnene Software oder sogenannte „Standardsoftware“ funktioniert nicht unter Linux.
    Jemand, der die gewohnte kommerzielle Software verwenden möchte und Alternativen nicht akzeptiert, wird nicht auf Linux umsteigen. Und das ist durchaus legitim und kann auch der Fall sein, wenn man Dateien mit anderen austauschen möchte. Oft genannte Beispiele sind natürlich das Microsoft Office Paket oder professionelle Software von Adobe. Als persönliches Beispiel war es bei mir früher der Notensatz, für den ich immer wieder ein Windows Programm bemühen musste. Wer aber die Freiheit hat und aktiv nach Alternativen sucht, wird diese auch finden. Und in den meisten Fällen heißt es auch hier: Die Alternativen sind weder besser noch schlechter, sondern funktionieren vielleicht manchmal schlicht anders.
  • Wenige Spiele und die vorhandenen laufen unter Linux wegen der Treibersituation möglicherweise schlechter.
    Zur Treibersituation hatte ich mich weiter oben schon geäußert. Nutzt man die proprietären Treiber der Grafikchip-Hersteller, hat man auch unter Linux wenig bis keine Einbußen bei der Performance, sodass dem Spielspaß nichts entgegenstünde. Wenn es denn eine ernstzunehmende Anzahl an Spielen gäbe, die unter Linux laufen. Mit Steam von Valve soll das Angebot ja schon akzeptabel sein aber es gibt immer noch eine deutliche Diskrepanz gegenüber Windows, habe ich mir sagen lassen. Da ich nie spiele kenne ich mich hier entsprechend wenig aus. Vielleicht hat jemand von Euch einen hilfreichen Kommentar dazu.
  • Probleme mit Dualboot.
    Ich habe mir sagen lassen, dass gewisse Features von Windows 8/8.1 im Zusammenhang mit einem Bootmanager nicht funktionieren, etwa der Hybridboot/Fastboot. Wenn man unter Windows den maximalen Comfort haben möchte, kann das das Aus für Linux auf dem selben Rechner sein.
  • Fehlende Standardisierung, jeder Distributor kocht sein eigenes Süppchen.
    Das ist tatsächlich ein Kritikpunkt, den ich fast uneingeschränkt teile. Ich bin nicht der Meinung, dass jede Linux-Distribution mit jeder anderen uniform sein sollte. Jede Distribution hat eine gewisse Vision und das ist auch gut so. Wenn es jedoch um die Unterstützung für Desktop-Software geht, sollte man sich schon auf einen gemeinsamen Nenner einigen. Es gibt ja sowas wie den Filesystem Hierarchy Standard (FHS) oder die Linux Standard Base (LSB), nur scheinbar gehen diese Bemühungen immer noch nicht weit genug oder werden von manchen Distributionen nicht komplett umgesetzt.
  • Für kommerzielle Softwareanbieter aufgrund der geringen Verbreitung uninteressant bzw. nicht rentabel.
    Dieser Punkt gesellt sich zu dem vorherigen. Ein Marktanteil von ca. 1,4 % von Linux auf dem Desktop ist eben nicht wirklich nennenswert. Ich würde das fast als Teufelskreis bezeichnen: Linux wird nicht eingesetzt, weil die Software fehlt, umgekehrt ist eine Entwicklung kommerzieller Software für Linux daher auch nicht rentabel. Hinzu kommt, dass Linux-Nutzer natürlich dem Open Source Gedanken anhängen und daher potenziell gar nicht bereit sind Geld für Software-Produkte zu bezahlen.
  • Frickel-System.
    Das trifft auf die meisten heutigen Distributionen nicht mehr zu. Bei nicht allzu exotischer Hardware im Rechner laufen diese meist auf Anhieb ohne manuelle Konfiguration. Proprietäre Treiber werden in zusätzlichen Repositories angeboten und können wie gewohnt über das Paketmanagement installiert werden.
  • Vieles nur über die Kommandozeile und nicht über GUI-Tools einstellbar.
    Ein oft genannter Vorwurf, der aber heute bei allen großen Desktop-Distributionen einfach nicht mehr zutrifft. openSUSE z. B. hat ein hochkarätiges Administrationswerkzeug entwickelt, mit dem fast jeder Aspekt des Systems konfiguriert werden kann. Hinzu kommen die Einstellungen für die unterschiedlichen Desktopumgebungen. Wer nicht mit dem Terminal hantieren möchte, muss das im Regelfall auch gar nicht.

Man könnte natürlich noch einige Dinge mehr anführen, jedoch habe ich mich bewusst auf die Punkte beschränkt, die in der erwähnten Unterhaltung genannt wurden. Aber Ihr könnt ja in den Kommentaren fleißig ergänzen, warum man denn Linux nun gerade nicht auf dem Desktop einsetzen kann. Bis auf ein paar Exoten, die es dennoch tun 😉

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3 Gedanken zu “Linux auf dem Desktop. Warum eigentlich nicht?

  1. Toller Beitrag. Dies ist auch das, was ich immer höre. Besonders das „Frickelsystem“ Argument. Oder auch einfach: „Wer will denn Linux? Benutzt doch eh niemand..“. Ganz lustig ist dann, wenn man die Person auf ihr Android hinweist. Oft kommt dann nur ein „Ja.. aber…“ 😀

    Zu den Spielen kann man aber noch sagen, dass sehr viele Spiele mit Wine tadellos laufen. GOG.com bietet zB. Spiele extra für die Nutzung mit Wine optimiert an. Aber gerade mit Wine muss man oft sehr viel frickeln, die große Community ist aber sehr hilfsbereit und hat ne tolle Datenbank.

    Hab zum Beispiel mal ein Windows Spiel auf Windows und auf Linux gespielt und den Spielstand mit Dropbox und Symlinks synchronisiert. Lief tadellos!

  2. Für Spieler empfehle ich Manjaro.

    Bei Manjaro handelt es sich um eine Linux Distribution, welche dank einer sehr guten Hardware-Erkennung und moderierten Installationsroutine einfach zu installieren ist, aber, aufgrund seines professionellen Arch Linux-Unterbaus, ein stabiles und hochperformantes Fundament hat.

    Im Gegensatz zu anderen zyklischen Distris ist Manjaro, wie auch Arch, ein sogenannter Rolling-Release. Dies bedeutet es gibt so gesehen keine festen Versionen sondern nur Snapshots zum Download, welche dann permanent aktuell gehalten werden. Somit hat man nach der Installation für alle Zeiten Ruhe aber dennoch immer die aktuellste Software im System.

    Als Desktop-Umgebungen bietet Manjaro standardmäßig XFCE und auch eine KDE-Edition. XFCE ist meiner Meinung nach der derzeit flotteste und variabelste Desktop überhaupt, den die Linux-Welt momentan zu bieten hat. Aber auch andere Umgebungen wie Cinnamon, Mate oder Gnome sind im riesigen Software-Repo von Manjaro/Arch zu finden.

    Für Zocker ist Manjaro die erste Wahl, da die Distri z.B. schon Steam mitbringt und die Repos auch ansonsten keine Wünsche offenlassen. Auch als Multimedia-Plattform bringt Manjaro schon alles mit was man so braucht.

    http://www.manjaro-linux.de/

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